EINREICHEN
Selfpublishing in der Schweiz: ISBN, Druck und Lektorat
Selfpublishing in der Schweiz: wo du die ISBN kaufst und was sie kostet, wie du Druck und Lektorat vergleichst und was nach dem Erscheinen zu tun ist.
Team des Schreibjahrs · Lektorat und Schreibbegleitung · aktualisiert 01.11.2026
Selfpublishing in der Schweiz heisst, dass du dein eigener Verlag bist. Die ISBN bestellst du bei der ISBN-Agentur Schweiz des Buchhandels- und Verlagsverbands SBVV, eine Einzelnummer kostet CHF 130. Lektorat, Druck und Vertrieb organisierst und bezahlst du selbst. Nach dem Erscheinen geht ein Belegexemplar an die Nationalbibliothek. Eine Buchpreisbindung gibt es in der Schweiz nicht.

Was heisst Selfpublishing in der Schweiz?
Selfpublishing oder Selbstverlag heisst, dass du dein Buch ohne Verlag herausgibst. Du trägst das finanzielle Risiko und entscheidest alles selbst, vom Titel bis zum Preis. Einzelne Arbeiten kannst du an Dienstleister vergeben, die Verantwortung bleibt bei dir.
Ob der Selbstverlag zu deinem Buch passt oder ein Verlag, steht auf der Seite Manuskript fertig, was nun?. Hier geht es um das Handwerk danach.
Eine Warnung vorweg. Der SBVV nennt Druckkostenzuschuss- oder Selbstzahlverlage in seinem Merkblatt unseriös, wenn sie das Risiko einseitig den Autorinnen aufladen. Dort zahlst du bis zu fünfstellige Beträge, und Lektorat und Werbung bleiben oft dünn. Typische Zeichen sind Inserate, die Manuskripte suchen, und die Aufforderung, sofort einzusenden. Du zahlst dann wie im Selbstverlag und entscheidest weniger.
Brauche ich für mein Buch eine ISBN?
Eine ISBN brauchst du, sobald dein Buch über den Buchhandel bestellbar sein soll. Die ISBN ist eine weltweit eindeutige Nummer für ein Buch in einer bestimmten Ausgabe. Vorgeschrieben ist sie nicht. Schreibst du deine Erinnerungen für die Familie und gibst sie selbst weiter, kommst du ohne aus.
Jedes Format bekommt eine eigene Nummer. Das gedruckte Buch hat eine, das E-Book als EPUB eine zweite, als PDF eine dritte. Auch bei einer Neuauflage mit neuem Titel, neuer Sprache oder anderem Autorennamen braucht es eine neue ISBN. Leg deshalb den Buchtitel fest, bevor du die Nummer vergibst.
Die ISBN steht im Impressum und unten auf der Rückseite des Umschlags. Den Strichcode dazu erzeugst du mit dem Generator auf der Seite der Agentur.
Wo kaufe ich eine ISBN in der Schweiz, und was kostet sie?
Eine ISBN kaufst du bei der ISBN-Agentur Schweiz, die der SBVV in Zürich führt. Sie ist die offizielle Vergabestelle für die Schweiz und Liechtenstein. Auch Privatpersonen dürfen bestellen, sofern sie die Rechte an ihrem Text haben. Die Agentur gibt die ISBN innert drei bis fünf Arbeitstagen nach Zahlungseingang frei, gegen CHF 50 Zuschlag innert eines Arbeitstags. Bezahlt wird im Voraus.
Die Preise am 01.11.2026, inklusive Mehrwertsteuer: Eine Einzel-ISBN kostet CHF 130, zwei kosten CHF 260, drei CHF 390. Ein Kontingent von zehn Nummern kostet CHF 340. Brauchst du drei oder mehr Nummern, ist das Zehnerpaket also günstiger. Das ist schnell erreicht: gedrucktes Buch, EPUB und eine spätere zweite Auflage.

Die ISBN bestellst du in dem Land, in dem du wohnst. Eine Nummer aus Deutschland kommt also nicht in Frage. Manche Selfpublishing-Dienste bieten dir eine eigene ISBN an. Dann führen die Buchdatenbanken laut ISBN-Handbuch wahrscheinlich den Dienst als Verlag deines Buchs.
Wie lasse ich ein Buch in der Schweiz drucken?
Für den Druck gibt es zwei Möglichkeiten: eine feste Auflage bei einer Druckerei oder Print on Demand. Bei einer Auflage bestellst du eine bestimmte Zahl Bücher und lagerst sie selbst. Bei Print on Demand druckt ein Anbieter jedes Exemplar erst, wenn es bestellt wird. Du brauchst kein Lager. Vergleiche den Stückpreis mit dem einer Auflage.
Bei einer Kleinauflage von einigen Dutzend bis wenigen Hundert Exemplaren fragst du, ob digital oder im Offset gedruckt wird und ab welcher Menge sich das ändert. Hol mindestens zwei, besser drei Offerten ein, alle mit denselben Angaben:
Format und Seitenzahl
Papier innen und Umschlag
Bindung, etwa Klebebindung oder Fadenheftung
schwarzweiss oder farbig
Auflage und Lieferort
Frag auch, ob die Druckerei die Lagerung und den Versand übernimmt. Der SBVV empfiehlt, das schon bei der Wahl der Druckerei zu klären. Sonst stehen 150 Bücher in deinem Keller, und jede Bestellung packst du selbst.
Was kostet ein Lektorat in der Schweiz?
Was ein Lektorat kostet, hängt davon ab, was es leisten soll. Eine verbindliche Honorarempfehlung eines Schweizer Verbands haben wir nicht gefunden. Vergleichen kannst du nur, wenn du weisst, welche Arbeit angeboten wird.
Ein Korrektorat sucht Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung. Ein Lektorat arbeitet am Text selbst, an Stil, Verständlichkeit, Aufbau und Figuren. Ein Manuskriptgutachten beurteilt das Ganze und sagt, wo der Text trägt, ohne Satz für Satz einzugreifen.
Abgerechnet wird pro Normseite, pro Stunde oder pauschal. Eine Normseite ist eine Masseinheit für Manuskripte. Wie viele Zeichen sie hat, steht unter Wie lang ist ein Roman?. Frag nach, mit welcher Zeichenzahl ein Angebot rechnet, sonst vergleichst du falsch. Und bitte um ein Probelektorat von wenigen Seiten. Daran siehst du, ob jemand deinen Ton hört oder ihn glättet.
Ein Lektorat lohnt sich erst nach der eigenen Überarbeitung. Wie die geht, steht unter Roman überarbeiten.
Was mache ich, wenn das Buch gedruckt ist?
Ist das Buch gedruckt, schickst du ein Belegexemplar an die Schweizerische Nationalbibliothek in Bern. Sie hat laut Nationalbibliotheksgesetz den Auftrag, alle Publikationen zu sammeln, die in der Schweiz erscheinen. Die ISBN-Agentur bittet ausdrücklich auch Selbstverlegerinnen darum. Erst dann erscheint dein Buch im Katalog Helveticat und in der Nationalbibliografie. E-Books lädst du über die Plattform e-Helvetica Deposit hoch.
Damit eine Buchhandlung dein Buch bestellen kann, braucht es einen Titeleintrag. Für den deutschen Sprachraum ist das das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB), in der Schweiz zusätzlich der Katalog des Buchzentrums. Beide Einträge kosten Gebühren. Das Buchzentrum führt solche Titel nicht an Lager, es bestellt sie bei dir, sobald eine Buchhandlung danach fragt.
Rechne nicht damit, dass Buchhandlungen dein Buch von sich aus finden. Sie bestellen es auf Wunsch einer Kundin und nehmen vielleicht einige Exemplare in Kommission. Leserinnen suchst du selbst, über Lesungen, die Lokalzeitung und dein Umfeld.
Gibt es in der Schweiz eine Buchpreisbindung?
Nein. Das Bundesgesetz über die Buchpreisbindung wurde am 11. März 2012 in der Volksabstimmung mit rund 56 Prozent Nein abgelehnt. Du legst deinen Preis selbst fest, die Buchhandlung kann davon abweichen.
In Deutschland und Österreich gilt dagegen eine gesetzliche Buchpreisbindung. Verkaufst du auch dorthin, klär vorher, was das für deinen Preis heisst.
Ein Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir an, eine Frau aus dem Emmental hat die Geschichte des elterlichen Hofs aufgeschrieben, rund 180 Seiten. Sie will 120 gedruckte Bücher für Familie und Dorf, dazu ein E-Book für die Verwandten in Kanada.
Für die Familie allein bräuchte sie keine ISBN. Sie will aber, dass die Buchhandlung im Dorf das Buch bestellen kann und dass es in der Nationalbibliothek steht. Sie braucht also eine Nummer für das gedruckte Buch und eine für das EPUB, zusammen CHF 260. Plant sie eine zweite, ergänzte Auflage, nimmt sie das Zehnerpaket für CHF 340.
Bei 120 Exemplaren holt sie drei Offerten für den Digitaldruck ein, alle mit demselben Format, Papier und Umschlag. Für den Text wählt sie ein Korrektorat. Ein Lektorat bräuchte es, wenn auch Fremde das Buch gern lesen sollen. Wie man aus Erinnerungen eine Geschichte macht, steht unter Lebensgeschichte schreiben.

Wann das nicht reicht
Diese Seite erklärt die Schritte bis zum fertigen Buch. Ob es gelesen wird, entscheidet sich danach. Im Selbstverlag liegen Werbung und Versand bei dir, und diese Arbeit beginnt oft erst nach dem Druck.
Für die Rechtsfragen ist sie kein Ersatz. Dein Text ist in der Schweiz ohne Anmeldung urheberrechtlich geschützt. Willst du aber Fotos, Liedtexte oder längere Zitate anderer abdrucken, brauchst du deren Erlaubnis. Auskunft geben die Rechteinhaber oder ProLitteris.
Und wenn das Manuskript noch nicht fertig ist, hilft keine ISBN. Dann ist zuerst der Text dran. Ob für dein Projekt eine Förderung in Frage kommt, zeigt die Übersicht zur Literaturförderung.
Häufige Fragen
Darf ich als Privatperson in der Schweiz eine ISBN kaufen?
Ja. Privatpersonen mit Sitz in der Schweiz oder in Liechtenstein können bei der ISBN-Agentur Schweiz eine Einzelnummer oder ein Kontingent bestellen, sofern sie die Rechte an ihrer Publikation besitzen.
Kann ich eine ISBN aus Deutschland nehmen?
Nein. Die ISBN wird in dem Land beantragt, in dem du als Selbstverlegerin oder Selbstverleger deinen Wohnsitz hast. Für die Schweiz und Liechtenstein ist die Agentur des SBVV in Zürich zuständig.
Braucht das E-Book eine eigene ISBN?
Ja. Jedes Format bekommt eine eigene Nummer. Gibt es dein Buch gedruckt, als EPUB und als PDF, brauchst du drei ISBN.
Muss ich mein Buch der Nationalbibliothek schicken?
Die ISBN-Agentur bittet alle Verlage und Selbstverlage, nach dem Erscheinen ein Belegexemplar an die Schweizerische Nationalbibliothek zu senden. Erst dann erscheint das Buch im Katalog Helveticat. E-Books gehen über e-Helvetica Deposit.
Gibt es in der Schweiz eine Buchpreisbindung?
Nein. Das Gesetz über die Buchpreisbindung wurde am 11. März 2012 vom Volk abgelehnt. Du bestimmst den Preis deines Buchs selbst.
Weiterlesen
Bevor du eine ISBN bestellst, muss das Buch geschrieben sein. Dafür gibt es das Schreibjahr, es beginnt mit einem Tag in Olten: Vorbereitungstag in Olten.