Wie wir arbeiten
Warum wir so arbeiten, wie wir arbeiten
Bücher bleiben selten liegen, weil die Idee fehlt. Sie bleiben liegen, weil niemand fragt, wie weit du bist. Das Schreibjahr ist so gebaut, dass diese Frage kommt – immer wieder, bis dein Manuskript fertig ist.
30 Minuten am Dienstag schlägt den langen Samstag
Das Wochenende, an dem endlich alles entsteht, gibt es nicht. Es gibt aber den Dienstagabend. 30 Minuten. Und am Donnerstag vielleicht nochmals 30. Genau so hast du nach einem Jahr ein Buch. Wer auf den grossen Block und Schreibfluss wartet, hat am Ende eines Jahres meistens nur Notizen.
Darum rechnest du zwischen den gemeinsamen Tagen im Schreibjahr mit ein bis fünf Stunden pro Woche. Mehr brauchst du nicht.
Robert Boice begleitete sechzehn Nachwuchsforschende ein Jahr lang. Wer täglich kurz schrieb, hatte am Ende mehr fertigen Text und seltener depressive Symptome als wer in Schüben arbeitete. Boice, R. (1997), Written Communication 14 (4), Seiten 435–459.
«Mein Buch fertig schreiben» ist kein Ziel
Es ist ein Wunsch. Ein Ziel sagt dir konkret, was am Sonntag auf dem Tisch liegt. «Die Szene im Treppenhaus bis Sonntag», das ist ein Ziel. Darum fängt das Schreibjahr mit einem pragmatischen Fahrplan an. Er zerlegt dein Buch in überschaubare Etappen bis Dezember. So weisst du jede Woche, was dran ist und kannst dich aufs Schreiben konzentrieren.
Albert Bandura und Dale Schunk arbeiteten mit Kindern, die beim Rechnen feststeckten. Nahe Teilziele erhöhten das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, ferne nicht. Bandura, A. und Schunk, D. H. (1981), Journal of Personality and Social Psychology 41, Seiten 586–598.
Ein Termin hält, ein Vorsatz nicht
Jeder, der schreibt, kennt den Vorsatz: ab Januar jeden Morgen eine Stunde. Wie lange hat er bei dir gehalten? Bei mir bis Februar. Was hingegen hält, ist ein Datum, eine Uhrzeit und Leute, die da sind – deine verbindlichen Schreibkompliz:innen. In der Auftaktklausur legst du zuerst fest, wann du schreibst. Die gemeinsamen Tage stehen fest, bevor das Jahr beginnt. Dazwischen laufen die Schreibgruppen und die regelmässigen Check-ins.
Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran werteten 94 Studien mit über 8000 Teilnehmenden aus. Wer festlegt, wann und wo er etwas tut, setzt es deutlich häufiger um. Gollwitzer, P. M. und Sheeran, P. (2006), Advances in Experimental Social Psychology 38, Seiten 69–119.
Wir reden über den Text, nicht über dich
«Du bist eine gute Erzählerin» bringt dich keinen Satz weiter. «Diese Szene beginnt zwei Absätze zu früh» schon. Rückmeldung, die auf die Person zielt, macht im Schnitt nichts besser und oft etwas schlechter. Wir reden über das Kapitel, über die Stelle, an der es hakt. Nicht über Begabung.
Avraham Kluger und Angelo DeNisi fassten 607 Effektstärken zusammen. Im Schnitt half die Rückmeldung. In über einem Drittel der Fälle senkte sie die Leistung. Kluger, A. N. und DeNisi, A. (1996), Psychological Bulletin 119 (2), Seiten 254–284.