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Romanfiguren entwickeln: vom Wollen bis zum Namen

Wie du Figuren für deinen Roman entwickelst: Wollen und Hindernis, Figurenbogen, Nebenfiguren, Schweizer Namen und Beschreibung ohne Steckbrief.

Team des Schreibjahrs · Lektorat und Schreibbegleitung · aktualisiert 01.11.2026

Figuren für deinen Roman entwickelst du von ihrem Wollen her. Was will die Figur, und was steht ihr im Weg? Daraus folgt, wie sie handelt und wie sie sich im Lauf der Geschichte verändert. Aussehen, Herkunft und Name kommen danach und müssen zur Figur passen. Für den Anfang reicht ein Figurenblatt mit sechs Feldern.

Linienzeichnung: ein Figurenblatt mit dem Umriss eines Kopfes, einem leeren Namensschild und einem Bleistift

Wie entwickle ich eine Figur für meinen Roman?

Du beginnst mit dem, was die Figur will. Das Wollen ist ein Ziel, das man von aussen sehen kann. Sie will das Elternhaus behalten oder die Tochter wiederfinden. Dann suchst du, was ihr im Weg steht. Das Hindernis kann ein anderer Mensch sein oder etwas in der Figur selbst.

Zwischen Wollen und Hindernis entsteht Handlung. Die Figur muss etwas tun, und was sie tut, zeigt, wer sie ist. Eine Figur, die nichts will, wartet nur ab. Dann passiert auf vielen Seiten wenig.

Oft lohnt eine zweite Frage: Was braucht die Figur, ohne es zu wissen? Eine Frau, die um ihr Elternhaus kämpft, braucht vielleicht den Frieden mit ihrem Bruder. Das Wollen treibt die Handlung. Was sie braucht, merkt die Figur oft erst gegen Ende, und die Leserin mit ihr.

Halt das auf einem Figurenblatt fest. Das ist eine Seite pro Hauptfigur mit sechs Feldern:

  • Name und Jahrgang

  • was sie will

  • was ihr im Weg steht

  • was sie sich nicht eingesteht

  • wie sie redet

  • wo sie am Ende steht

Figurenblatt mit sechs Feldern, ausgefüllt für die Übungsfigur Ruth: Wollen, Hindernis, Selbsttäuschung, Sprache, Ende

Was ist ein Charakterbogen?

Ein Charakterbogen, auch Figurenbogen genannt, beschreibt, wie sich eine Figur vom Anfang bis zum Ende des Romans verändert. Am Anfang hat sie eine Haltung, die ihr bisher geholfen hat. Im Lauf der Geschichte gerät diese Haltung unter Druck, bis sie nicht mehr hält. Am Ende handelt die Figur anders als auf der ersten Seite.

Die Veränderung braucht Stationen. In jeder grossen Szene wächst der Druck ein Stück. Springt die Figur ohne solche Stationen in eine neue Haltung, wirkt die Wandlung behauptet.

Figurenbogen als Kurve von der ersten bis zur letzten Seite, mit drei Szenen, die Druck auf die Figur ausüben

Nicht jede Figur muss sich ändern. Manche bleiben, wie sie sind, und verändern dafür die Menschen um sie herum. Auch das ist ein Bogen, nur verläuft er bei den anderen Figuren.

Eine einfache Probe: Beschreib deine Hauptfigur in einem Satz, wie sie auf Seite eins ist. Dann in einem Satz, wie sie auf der letzten Seite ist. Sind beide Sätze gleich, fehlt der Bogen, oder du hast ihn noch nicht gefunden. Wessen Veränderung die Leserin von innen miterlebt, entscheidet die Erzählperspektive.

Wie viel muss ich über meine Figur wissen?

Du musst mehr wissen, als im Buch steht. Ein Fragebogen mit hundert Feldern vom Lieblingsessen bis zur Schuhgrösse fühlt sich nach Arbeit an, bringt der Geschichte aber wenig. Für sie zählen meist wenige Dinge, allen voran das Wollen und das, was die Figur verbirgt.

Vieles findest du erst beim Schreiben. Eine Figur sagt in Kapitel drei einen Satz, mit dem du nicht gerechnet hast. Plötzlich weisst du etwas über ihre Mutter. Das ist normal. Trag es ins Figurenblatt ein, damit es in Kapitel zwölf noch stimmt.

Was du über eine Figur weisst, muss nicht auf die Seite. Es färbt ihr Handeln. Die Leserin spürt, dass da mehr ist, auch wenn es nie ausgesprochen wird.

Wie wichtig sind Nebenfiguren?

Nebenfiguren sind so wichtig, wie sie der Hauptfigur Widerstand oder Halt geben. Der englische Schriftsteller E. M. Forster unterschied 1927 in «Aspects of the Novel» flache und runde Figuren. Eine flache Figur lässt sich in einem Satz fassen. Eine runde Figur kann überraschen, und die Überraschung leuchtet trotzdem ein.

Ein Roman braucht beide Arten. Die Frau am Kiosk, die jeden Morgen dasselbe sagt, darf flach bleiben. Wichtige Nebenfiguren werden lebendig, sobald sie etwas Eigenes wollen. Der Bruder will das Elternhaus vielleicht gar nicht verkaufen. Er will nur nicht mehr zuständig sein. Schon reibt er sich an der Hauptfigur, ohne ein Bösewicht zu sein.

Haben zwei Nebenfiguren dieselbe Aufgabe, etwa zwei Freundinnen, die beide trösten, leg sie zusammen. Die Leserin muss sich dann einen Namen weniger merken.

Wie finde ich Namen für meine Romanfiguren?

Ein guter Name passt zum Jahrgang der Figur. Vornamen haben ihre Zeit. 1948 bekamen in der Schweiz rund 1900 Neugeborene den Namen Peter, 2011 waren es noch zehn. 2025 hiessen die meisten neugeborenen Knaben Noah, Liam und Gabriel, die meisten Mädchen Sofia, Emma und Mia. Eine Figur mit Jahrgang 1950 heisst also eher Peter als Noah. Die jährlichen Ranglisten der Neugeborenen veröffentlicht das Bundesamt für Statistik, dazu eine Abfrage für einzelne Vornamen.

Gib deinen Hauptfiguren verschiedene Anfangsbuchstaben und verschieden lange Namen. Lea und Laura verschwimmen beim schnellen Lesen. Bei Lea und Franziska passiert das kaum.

Sprechende Namen setzt du sparsam ein. Max Frisch gab dem Ingenieur in seinem Roman von 1957 den Namen Walter Faber, der Titel lautet «Homo faber». Lateinisch heisst das Wort Handwerker. Der Name trägt, weil es ihn wirklich geben könnte.

Wo finde ich Schweizer Nachnamen für meine Figuren?

Schweizer Nachnamen findest du in den Namenszahlen des Bundesamts für Statistik und im Familiennamenbuch der Schweiz. Der häufigste Nachname ist Müller mit 52 674 Personen, vor Meier und Schmid. In der Westschweiz liegt da Silva vorn. In Genf, Lausanne, Freiburg und Neuenburg ist es der häufigste Name. In Sitten führt Fournier, in Delsberg Rais. Eine Figur aus Lausanne, die Ferreira heisst, erzählt mit ihrem Namen schon etwas über ihre Familie.

Zwei Werkzeuge helfen beim Suchen. Die interaktive Namenskarte von SRF zeigt zu jedem Nachnamen, in welchen Gemeinden Menschen mit diesem Namen leben. Sie beruht auf den Zahlen des Bundesamts für Statistik von 2025. Das Familiennamenbuch der Schweiz verzeichnet rund 48 500 Familiennamen mit ihren Bürgerorten, Stand 1962, und dazu, ob das Bürgerrecht vor 1800 oder später erworben wurde. So findest du einen Namen, der seit Generationen in einem Tal zu Hause ist.

Bevor du dich festlegst, such den vollen Namen einmal im Netz. Gibt es eine bekannte Person, die genau so heisst, wählst du besser einen anderen.

Wie beschreibe ich eine Figur, ohne einen Steckbrief abzuliefern?

Du beschreibst eine Figur über eine oder zwei Einzelheiten, die etwas über sie verraten, und zwar dort, wo die Szene sie braucht. Ein Steckbrief-Absatz zählt beim ersten Auftritt Alter, Grösse, Haarfarbe und Beruf hintereinander auf. Die Leserin hat ihn auf der nächsten Seite vergessen.

Ein selbst gebauter Mustersatz. Vorher:

Erika war 63 Jahre alt, mittelgross, hatte kurze graue Haare und blaue Augen. Sie war pensionierte Primarlehrerin und lebte allein in Langenthal.

Nachher:

Bevor Erika für den Nachbarn einkaufen ging, strich sie auf seinem Zettel das falsche «seid» durch.

Im zweiten Satz fehlen Haare und Augen. Er zeigt den alten Beruf und die Hilfsbereitschaft, mit einem Rest Besserwisserei. Alter und Aussehen kannst du nachreichen, wenn eine Szene sie braucht. Was eine Figur mit den Händen tut und wie sie redet, sagt oft mehr als ihr Gesicht. Dazu steht mehr unter Dialoge schreiben.

Ein Beispiel aus der Praxis

Nehmen wir an, du schreibst über Ruth, Jahrgang 1958. Nach dem Tod ihrer Mutter soll sie mit ihrem Bruder das Elternhaus im Emmental verkaufen. Diese Übungsfigur ist für den Artikel ausgedacht. Die erste Fassung ihres Figurenblatts sieht aus, wie viele erste Fassungen aussehen: geschieden, zwei erwachsene Kinder, Lehrerin, mag Jazz, trinkt Tee.

Das ist ein Steckbrief. Er beschreibt Ruth, sagt aber nichts darüber, was sie tun wird.

Die zweite Fassung fragt nach dem Wollen. Ruth will das Haus behalten, obwohl sie es sich nicht leisten kann. Im Weg stehen der Bruder, der verkaufen will, und die Bank. Sie selbst hat nie gelernt, um etwas zu bitten. Was sie sich nicht eingesteht: Eigentlich geht es um die Mutter, mit der sie nie fertig geredet hat.

Jetzt ergeben sich die Szenen fast von selbst. Die Bank sagt Nein. Beim Ausräumen streiten die Geschwister um einen Schrank. Im Schrank liegt ein Brief der Mutter. Am Ende lässt Ruth das Haus los und bittet ihren Bruder zum ersten Mal um etwas. Der Jazz darf bleiben. Er kommt jetzt in einer Szene vor, etwa wenn Ruth beim Ausräumen die Platten der Mutter findet.

Wann das nicht reicht

Das Figurenblatt hilft beim Anfangen. Es hilft nicht, wenn die Figur trotz guter Planung hölzern bleibt. Oft liegt das an der Handlung. Die Figur tut Dinge, die sie nie tun würde, weil der Plot es verlangt. Dann frag bei jeder Wendung, ob die Figur das von sich aus täte. Ist die Antwort Nein, ändere den Plot.

Schreibst du über echte Menschen aus deiner Familie, gelten andere Fragen. Was du erzählen darfst und wie du lebende Personen schützt, steht unter Lebensgeschichte schreiben.

Und manchmal wird das Planen zur Ausrede. Wer seit Monaten Figurenblätter füllt und keine Szene schreibt, hat meist ein anderes Problem. Was dann hilft, steht unter Schreibblockade beim Roman.

Häufige Fragen

Was gehört auf einen Charakterbogen für Romanfiguren?

Auf einen Charakterbogen gehören Name und Jahrgang, das Wollen der Figur, ihr Hindernis, was sie sich nicht eingesteht, wie sie redet und wo sie am Ende steht. Aussehen und Vorlieben ergänzt du erst, wenn eine Szene sie braucht.

Muss meine Hauptfigur sympathisch sein?

Nein. Sie muss nachvollziehbar sein. Lesende folgen auch einer schwierigen Figur, wenn sie verstehen, was sie will und warum.

Gibt es einen Namensgenerator für Romanfiguren?

Es gibt viele, aber sie kennen weder Jahrgang noch Region deiner Figur. Für Schweizer Figuren sind die Namenszahlen des Bundesamts für Statistik, die Namenskarte von SRF und das Familiennamenbuch der Schweiz verlässlicher.

Wie viele Hauptfiguren verträgt ein Roman?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Viele erste Romane gewinnen, wenn eine oder zwei Figuren die Geschichte tragen und jede weitere Figur eine klare Aufgabe hat.

Wie beschreibe ich das Aussehen einer Figur?

Mit ein oder zwei Einzelheiten, die etwas über die Figur verraten, eingebaut in eine Handlung. Eine Aufzählung von Grösse, Haar- und Augenfarbe beim ersten Auftritt bleibt kaum hängen.

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Ob eine Figur trägt, merkst du an den Fragen der Menschen, die deinen Text lesen. Das Schreibjahr beginnt mit dem Vorbereitungstag in Olten: Vorbereitungstag in Olten.

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