Wie wir arbeiten
Warum das Jahr so gebaut ist, wie es gebaut ist
Ein Buch entsteht über Monate. In dieser Zeit braucht es unterschiedliche Dinge: Zeit zum Schreiben, Entscheidungen über den Text und jemanden, der von aussen draufschaut, wenn man selbst nicht mehr weiterkommt.
Das Schreibjahr gibt dieser Arbeit eine Struktur. Einige der Prinzipien dahinter sind gut untersucht. Die Quellen stehen jeweils beim Text.
Nahe Ziele, nicht ferne
Robert Boice hat sechzehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ein Jahr lang begleitet. Die eine Gruppe schrieb in Schüben, oft zwei bis zwölf Stunden am Stück. Die andere schrieb meist höchstens eine Stunde am Tag, mit Pausen. Am Ende hatte die zweite Gruppe deutlich mehr fertigen Text, mehr
angenommene Manuskripte und seltener depressive Symptome.
Übersetzt heisst das: Regelmässige, überschaubare Schreibzeiten sind ergiebiger als seltene lange Schreibphasen. Im Schreibjahr rechnest du zwischen den gemeinsamen Tagen mit ein bis fünf Stunden eigener Schreibzeit pro Woche.
Bandura, A. und Schunk, D. (1981): Cultivating competence, self-efficacy, and intrinsic interest through proximal self-motivation. Journal of Personality and Social Psychology 41(3).
Eine Verabredung statt eines Vorsatzes
Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran haben 94 Studien mit mehr als 8000 Teilnehmenden ausgewertet. Wer sein Vorhaben in einen Wenn-Dann-Plan fasst, also festlegt, wann und wo er es tut, setzt es deutlich häufiger um.
Übersetzt auf das Schreibjahr heisst das: Die Auftaktklausur endet damit, dass jede und jeder zwei feste Wochentermine fürs Schreiben festlegt, mit Uhrzeit und Ort. Auch die Schreibgruppe schafft feste Verabredungen über das Jahr. Ein Termin, an dem auch andere sitzen, lässt sich schlechter absagen als ein Vorsatz.
Gollwitzer, P. und Sheeran, P. (2006): Implementation intentions and goal achievement. Advances in Experimental Social Psychology 38.
Rückmeldung auf die Arbeit, nicht auf die Person
Avraham Kluger und Angelo DeNisi haben 607 Untersuchungen zu Rückmeldung zusammengefasst. Im Schnitt hilft Rückmeldung. Aber mehr als ein Drittel aller untersuchten Rückmeldungen hat die Leistung gesenkt. Der Unterschied liegt darin, wohin die Aufmerksamkeit gelenkt wird: auf die Aufgabe oder auf die eigene Person.
Für uns heisst das: In den Ateliers, beim Manuskript-Check und in den Schreibgruppen reden wir über den Text, über das Kapitel, über die Stelle, an der es hakt. Nicht über Begabung.
Kluger, A. und DeNisi, A. (1996): The effects of feedback interventions on performance. Psychological Bulletin 119(2), Seiten 254 bis 284.
Rückmeldung auf die Arbeit, nicht auf die Person
Zu Schreibgruppen und Schreibretreats gibt es mehrere Studien. Sie berichten übereinstimmend von höherer Produktivität, mehr Zutrauen und mehr Zufriedenheit bei den Teilnehmenden.
Murray, R. und Newton, M. (2009), Higher Education Research and Development 28(5). Kwan u. a. (2021). Proulx u. a. (2023).
Was wir nicht behaupten
Dass das Schreibjahr wissenschaftlich geprüft wäre. Es ist es nicht. Untersucht sind einzelne Bedingungen, unter denen Menschen an langen Arbeiten dranbleiben, und wir haben das Jahr entlang dieser Bedingungen gebaut. Das ist etwas anderes als ein Wirksamkeitsnachweis.
Dass Übung allein reicht. Die grösste Auswertung dazu zeigt, dass gezielte Übung je nach Gebiet nur einen begrenzten Teil der Unterschiede zwischen Menschen erklärt, in komplexen Bereichen oft wenige Prozent. Schreiben ist lernbar. Ein Versprechen ist das keines.
Dass am Ende ein Verlag steht. Das können wir nicht versprechen und tun es nirgends.